Unterwegs in Deutschland

Abiturvorbereitungsfahrt 2019 nach Leipzig

von Hannah Gebhardt, Q4

Vor nun fast genau 30 Jahren fanden in Leipzig, damals noch in der DDR, Demonstrationen statt, die die Zukunft Deutschlands verändern sollten. Woche für Woche trafen sich tausende Menschen, um für Freiheit, Demokratie und vor allem ein vereintes Deutschland zu demonstrieren. Heute leben wir, fast schon selbstverständlich, in eben jenem vereinten Land.  Wir sind aufgewachsen mit Meinungsfreiheit, freien Wahlen und Reisefreiheit. Wir dürfen wählen, wo wir arbeiten wollen, und für unsere Überzeugungen auf die Straße gehen. Um den Wert dieser Privilegien schätzen zu lernen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte der DDR.

Genau darum ging es bei der Abiturvorbereitungsfahrt der Q4 nach Leipzig. Der Geschichts-LK sowie einige Schüler*innen aus anderen Kursen verbrachten gemeinsam mit Frau Müller und Frau Steffens drei Tage in Leipzig, in denen wir uns unter anderem mit Protestbewegungen in der DDR und dem Ministerium für Staatssicherheit beschäftigten.

Den ersten Programmpunkt bildete das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig. Hier erfuhren wir in einer Ausstellung, die erst wenige Wochen zuvor eröffnet wurde, wie das Leben in der DDR aussah, welche Vorteile sie mit sich brachte, aber auch welche Gräueltaten in ihrem Namen begangen wurden, auf welchem Weg Bürger*innen versuchten, aus ihr zu fliehen, und wie es möglich war, dass eine friedliche Revolution zur Wiedervereinigung führte. Im Anschluss daran besichtigten wir die Nikolaikirche, die besondere Berühmtheit erlangte, da sie als Treffpunkt für die Montagsdemonstrationen diente.

Den thematischen Schwerpunkt bildete am zweiten Tag das Ministerium für Staatssicherheit. Zuerst besuchten wir das Museum in der „runden Ecke“, in der sich früher die Büroräume der „Stasi“ befanden. Trotz einer Ausstellung, die seit der Wiedervereinigung nicht mehr erneuert wurde, bekamen wir einen Eindruck davon, wie allumfassend und skrupellos der „verlängerte Arm der SED“ vorging. Am Nachmittag nahmen wir an Workshops des „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“ teil, in denen wir uns mit Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit beschäftigten. Von „negativ dekadenten Jugendlichen“ (einige von uns sind froh, dass diese nicht mehr verfolgt werden, da wir uns definitiv dazu zählen würden) über Schüler, die ihre Lehrer bespitzelten, bis hin zu gescheiterten Fluchtversuchen konnten wir so einen guten und authentischen Einblick in den Alltag in der DDR erhalten.

Den Abschluss bildete das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig. Dieses Denkmal wurde 1913 eingeweiht und erinnert an die Völkerschlacht 1813, in der Napoleon besiegt wurde. Ganz im Zeitgeist des Kaiserreiches ist es ein Denkmal, das den Imperialismus und Militarismus kurz vor dem zweiten Weltkrieg besser darstellt, als jedes Geschichtsbuch. Die Ausmaße dieses Denkmals lassen sich von Weitem nur erahnen, aber die meterhohen Statuen im Inneren, sowie der Ausblick vom Dach verschlugen uns allen zumindest für einen kurzen Moment den Atem.


Statements zur AbiVoFa 2019 nach Leipzig

„Ich fand die Fahrt sehr gut. Vor allem die Informationen über die Stasi haben verdeutlicht, wie stark die Regierung die Bevölkerung der DDR überwacht und kontrolliert hat. Außerdem war es sinnvoll, durch neue Informationen das Wissen zu verteifen.“ (Jessica)

„Die Fahrt war interessant und hilfreich, weil man das Unterrichtsmaterial dadurch besser verstand hat.“ (Hanan)

„[…] war hilfreich, um das Thema besser zu verstehen.“ (Philipp)

„Informativ, aber zu kurz!“ (Jan)

„Ich fand es gut, dass wir uns nur mit der Stasi beschäftigt haben, sodass man einen größeren Eindruck davon bekommen hat.“ (Nina)

 „Tops: Völkerschlachtdenkmal; tieferes Verständnis für DDR-Geschichte; STASI-Akteneinsicht; Lage der Unterkunft“

„Flops: Zeitraum der Fahrt, zu kurz“

„Grundsätzlich informativ, aber das Meiste wusste ich schon aus dem Unterricht. Weil ich bin ein Alpha!“ (Kai)