Ein Denkanstoß zwischendurch

Was ist Glück?

Ein Essay von Marlena Blaszcyk, Klasse 8e, Schuljahr 2019/20

Eigentlich ist Glück eine einfache Sache, und doch ist es sehr schwer zu definieren. Für manche ist es Geld, für andere die Familie. Es ist auf jeden Fall ein Zustand, nach dem wir alle streben. Da es eines der größten Ziele in unserem Leben ist, glücklich zu sein, und alle anderen Ziele, die wir uns im Leben setzen, auf das eine Ziel ,,Glück‘‘ hinausführen, lohnt es sich, sich zuerst mit der Frage, was Glück überhaupt ist, zu beschäftigen. Im folgenden Text werde ich mich deshalb mit diesem Thema auseinandersetzen und versuchen, eine Antwort auf die Frage ,,Was ist Glück?‘‘ zu finden.

Glück ist subjektiv. Für jeden von uns ist es etwas Anderes. Alle sprechen davon und streben danach, doch nur wenige behaupten, es zu haben. Dies zeigt meiner Meinung nach auch die vorliegende Karikatur zum Thema ,,Glück‘‘. Sie zeigt einen Wegweiser mit der Aufschrift ,,Glück‘‘. Viele Männer und Frauen mit traurigen, wütenden Gesichtern, in denen Stress und Hektik geschrieben steht, folgen ihm voller Eile. Manche schauen auf die Uhr, manche schubsen andere rücksichtslos zurück oder ziehen andere hinter sich her. Im Hintergrund ist ein Mann mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck und einer Blume zwischen den Zähnen zu sehen, der auf der Wiese liegt. Der Karikaturist will mit seiner Darstellung deutlich machen, dass wir Menschen unser ganzes Leben lang nach Glück streben, dadurch aber oft unglücklich werden! Das Unglück der Menschen, die dem Wegweiser hektisch folgen, spiegelt sich in ihren Gesichtern, die voller Wut, Ehrgeiz, Gier und Kampfeslust sind. Jeder will so schnell wie möglich zum Glück kommen, der Erste sein, glücklich sein. Doch keiner von ihnen schafft es und keiner ist dabei glücklich. Der Mann hingegen, der sich über die Blume und die Ruhe freut und nicht dem Glück hinterherrennt, ist glücklich. Er zeigt uns, dass man das Glück nur erkennen und annehmen muss, ihm aber nicht hinterherzurennen braucht, denn so wird man nie glücklich.

Glück wird oft mit Zufriedenheit, Freude oder Achtsamkeit übersetzt. Achtsamkeit im Leben ist wichtig. Wenn ich achtsam lebe, lebe ich glücklich. Ich kann mich ernst und wichtig nehmen und meine Gefühle erkennen. Wenn ich achtsam in Bezug auf mein Umfeld bin, kann ich sehen, wie meine Mitmenschen gestimmt sind, auf ihre Bedürfnisse besser eingehen und mich angemessen verhalten. Zudem kann ich das Glück in der Natur und alltäglichen Dingen erkennen. Dieses Glück wird mir jeden Tag aufs Neue geschenkt, ohne dass ich dafür etwas leisten müsste. Wenn ich achtsam lebe, kann ich dieses Glück erkennen und annehmen; denn Glück ist, Geschenke annehmen zu können. Außerdem hilft mir Achtsamkeit in meinem Leben beispielsweise, Stress besser zu bewältigen, die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit zu steigern und negative Gedanken unter Kontrolle zu behalten. So lebe ich glücklich und gesund, denn Glück macht gesund. Ein positives Lebensgefühl stärkt zudem mein Immunsystem.

Wenn ich in meiner Mitte bin, bin ich glücklich, ich fühle mich wohl. Ich behalte das Gleichgewicht und kann mich besser konzentrieren. So bleibe ich auf dem ,,goldenen‘‘ Mittelweg und behalte die Kontrolle über mein Leben. Jedoch können mich Erfahrungen von Leid oder Freude aus meiner Mitte bringen. Deshalb kann man durch Übungen trainieren, wieder in seine Mitte zu kommen.

Dass Glück eine Frage der Entscheidung ist, wissen wir alle. Wir müssen uns dafür entscheiden, glücklich zu leben und daran zu arbeiten. Ein Beispiel dafür ist die Erzählung von Herakles am Scheideweg. Diese handelt von einem Halbgott, der in seinem Leben eine Entscheidung treffen musste: Sollte er die Lebensbahn der Tugend oder die der Lust wählen? Beide Wege werden in der Erzählung mittels einer Allegorisierung in Gestalt von zwei Frauen dargestellt, von denen die eine für die Tugend, die andere für das Laster steht. Die Lust ist eine faule Frau, die alles bekommt, ohne etwas dafür zu tun. Die Tugend ist eine Frau, die sich den Respekt anderer und Dinge, die sie haben will, selbst erarbeitet. Sie stellt hier den Weg zum wahren Glück dar. Diese Erzählung zeigt mir, dass wir alle uns im Leben oft selbst für unser Glück entscheiden müssen.

Genauso ist es in der Erziehung. Hier müssen die Eltern entscheiden, wie sie ihr Kind erziehen möchten. Geben sie ihm mehr von dem ,,Süßen‘‘, das heißt, es bekommt immer sofort alles, was es will oder was das Kind im Moment glücklich macht – oder erhält es eher mehr von dem ,,Salzigen‘‘ und das Kind muss sich die Dinge, die es haben will, selbst erarbeiten. Das ,,Salzige‘‘ macht das Kind später glücklich, weil es lernt, wie man sich Dinge selbst erarbeitet und selbständig wird. Hier erkennt man wieder, dass Eltern einen großen Einfluss auf das Glück ihrer Kinder haben.

Eine Frage, die sich viele Menschen stellen, ist, ob Geld glücklich macht. Ich bin der Ansicht, dass Geld nicht glücklich machen kann, da ich lernen muss, mich über Dinge zu freuen, die ich bereits besitze, und mein Glück nicht darin bestehen kann, immer noch mehr materielle Dinge anhäufen zu wollen. Meiner Meinung nach kann ein großer Reichtum also nicht glücklich machen, weil man sich auch von viel Geld, das man besitzt, immer mehr und mehr kaufen will und so nie glücklich wird. Ein gutes Beispiel dafür ist die Erzählung von Diogenes von Sinope, der in seinem Leben fast nichts besaß und trotzdem dafür von vielen bewundert wurde. Er lebte in einer Tonne, warf alles weg, was er nicht brauchte und war trotzdem glücklich. Sein Glück bestand in der Besitzlosigkeit. Diese Erzählung stellt also viele verbreitete Glücksvorstellungen (radikal) in Frage.

Meiner Meinung nach kann der christliche Glaube Menschen glücklich machen, da Gott uns so annimmt, wie wir sind, er uns immer zuhört, wir ihm vertrauen und alles erzählen können. Er gibt uns Liebe im Überfluss, die uns in dem Maße kein anderer Mensch geben kann. Deshalb denke ich, dass im christlichen Glauben Glück auch in der Einsamkeit gelingen kann, da Gott uns alles, was wir zum Glück brauchen, schenkt. Menschen, die nicht an Gott glauben, müssen Dinge wie ,,Liebe‘‘ oder ,,Vertrauen‘‘ von einem anderen Menschen erhalten. So bin ich der Meinung, dass das Glück ohne Gott nur in der Zweisamkeit gelingen kann, nicht aber in der Einsamkeit. Denn Glück bedeutet Liebe.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Glück überall gegenwärtig ist, wir es nur erkennen und annehmen brauchen und nicht unser ganzes Leben auf das Glück warten oder diesem und jenem hinterherrennen müssen. Wir selbst können und müssen uns für unser Glück entscheiden. Zum Glück brauchen wir nicht viel: Den christlichen Glauben und die Liebe. Das Leben ist Glück. Wir leben nur einmal und sollten versuchen, das Beste aus unserem Leben zu machen.